Krise im Onlinehandel? Kein Shop ist es wert, dass du dabei draufgehst!

Resilienz für Onlineunternehmer

Kein Unternehmen dieser Welt – wirklich keins – ist es wert, dass du daran zerbrichst. Nicht körperlich, nicht seelisch, nicht privat. Du bist Unternehmer oder Unternehmerin, ja. Aber du bist auch Partner, Elternteil, Freund, Kind, Mensch.

Wie viele Nächte liegst du schon wach, weil du dir den Kopf zerbrichst, wie du in den nächsten Tagen alle Rechnungen und Gehälter zahlen sollst? Und wenn du dann endlich aufstehst, sitzt du um vier Uhr morgens mit einem Tee in der Küche, dein Blick leer, der Kopf laut. Während andere noch tief schlafen, bist du schon wieder mitten im Gedankenkarussell.

So sieht das Leben vieler Unternehmer gerade aus. Und ja, auch im eCommerce – wo die letzten Jahre viel Goldgräberstimmung herrschte – spüren viele jetzt eine bleierne Schwere. Da läuft die Werbung nicht mehr wie früher, der Lagerbestand wird zur Zeitbombe und selbst treue Stammkunden kaufen plötzlich woanders. Auf einmal kämpfst du nicht mehr um Wachstum, sondern ums Überleben.

Genau das zermürbt, das macht dich fertig. Denn du gibst alles. Immer. Du denkst, du musst funktionieren – für dein Team, deine Familie, die Bank, das Finanzamt.

Aber wer kümmert sich eigentlich um dich?

Früher hieß es: „Augen zu und durch.“ Heute wissen wir: Das ist der schnellste Weg ins mentale Aus. Kein Unternehmen ist es wert, dass du dafür deine Gesundheit oder deine Beziehung opferst.

Aber irgendwann musst du dir die Frage stellen: Wie lange willst du das noch mitmachen? Wie lange willst du alles geben, ohne dich selbst zu verlieren? Es braucht eine neue Art von Stärke – eine, die nicht auf Selbstausbeutung basiert, sondern auf echter Stabilität. Mental. Emotional. Menschlich.

Du hast nicht plötzlich alles falsch gemacht. Aber der Markt hat sich verändert – und zwar rasant. Während vor ein paar Jahren noch solide Listings, gute Produkte und ein bisschen Werbebudget gereicht haben, um ordentliche Umsätze einzufahren, ist das heute ein ganz anderes Spiel. Der Traffic ist da, aber die Conversion schwächelt. Die Werbekosten steigen, der Warenkorb schrumpft. Du optimierst, kalkulierst, analysierst – und trotzdem bleibt am Ende oft nur ein Schulterzucken. Oder ein Minus. Und das Bittere: Es trifft nicht nur Anfänger. Auch erfahrene Händler, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, kommen ins Straucheln. Weil der Markt gnadenlos geworden ist. Weil alles schneller, härter, lauter geworden ist.

Viel sprechen wir über Strategien, Tools oder neue Marketingtricks. Kaum einer spricht darüber, wie es sich für dich persönlich anfühlt, wenn du plötzlich feststellst: Das hier wird richtig eng. Wenn du dein Konto aufrufst und überlegst, ob du lieber die Büromiete oder die Lieferantenrechnung zuerst bezahlst.

Der Onlinehandel ist nicht der falsche unternehmerische Weg. Aber er ist nicht mehr der bequeme Selbstläufer von früher. Heute ist das Geschäft rauer, schneller, kompetitiver. Und das macht was mit dir – mental, emotional, gesundheitlich.

Deshalb ist es so wichtig, jetzt nicht nur die Firma zu führen, sondern auch auf dich selbst zu achten. Denn du bist nicht nur Unternehmer, du bist auch Mensch. Und wenn du kaputtgehst, bringt der schönste Onlineshop nichts.

Man sieht es dir vielleicht nicht an. Du gehst deinen Alltag durch, funktionierst, bist nach außen hin „ganz der Alte“. Aber innen drin siehts oft ganz anders aus. Der Kopf läuft auf Dauerschleife, die Gedanken springen von der nächsten Zahlung zur Retourenquote und wieder zur Umsatzstatistik. Das geht eine Zeit lang gut. Aber irgendwann bricht es durch. Immer.

Vielleicht bist du schneller genervt als früher. Oder du merkst, wie schwer es dir fällt, runterzukommen. Selbst wenn du dir mal einen Abend auf der Couch gönnst, ist dein Kopf noch voll im Shop-Modus. Rechnungen, Listings, To-do-Listen. Pause? Fehlanzeige.

Und dann ist da dieses schlechte Gewissen. Wenn du mit deiner Familie am Tisch sitzt, aber innerlich längst wieder in der Firma bist. Oder wenn du dich bei Freunden immer seltener meldest, weil du denkst: Was soll ich erzählen? Bei mir läuft es halt gerade nicht.

Viele reden nicht darüber. Vor allem nicht Unternehmer. „Alles im Griff“ ist so ein Satz, den man schnell sagt – auch wenn drinnen alles bebt. Aber genau da liegt das Problem. Denn wenn du den Druck zu lange ignorierst, frisst er dich irgendwann auf.

Dass du dich ausgelaugt fühlst, hat nichts mit Schwäche zu tun. Es ist ein Zeichen dafür, dass du längst an deine Grenzen gehst – Tag für Tag, für alle anderen. Aber eben nicht für dich.

Jetzt ist der Moment, um ehrlich zu dir zu sein.

Spürst du schon erste Warnzeichen? Dann nimm sie ernst. Denn du brauchst keinen Zusammenbruch, um zu merken, dass es so nicht weitergeht.

Resilienz ist eines dieser Wörter, die irgendwie wichtig klingen – und die trotzdem kaum jemand richtig einordnen kann. Manche denken dabei an mentale Superkräfte. Andere verwechseln es mit Härte. Aber Resilienz ist kein harter Panzer, kein „Ich zieh das durch, egal was kommt“. Ganz im Gegenteil. Resilienz ist eher wie ein guter Stoßdämpfer. Sie sorgt dafür, dass dich die Erschütterungen im Business nicht aus der Spur werfen. Dass du nicht bei jedem Rückschlag umkippst. Sondern stehen bleibst, durchatmest und sagst: Okay, das war heftig – aber ich bin noch da. Und das Beste: Resilienz ist nicht angeboren. Du musst nicht als Zen-Mönch auf die Welt kommen. Du kannst sie lernen. Trainieren. Schritt für Schritt. Das fängt bei kleinen Dingen an: Wie du mit Misserfolgen umgehst. Wie du dich selbst behandelst, wenn was schiefläuft. Ob du dich dafür innerlich verprügelst – oder dir eingestehst, dass Fehler dazugehören.

Lass dich auch nicht von den Erfolgsgeschichten in den sozialen Medien blenden und irritieren, wenn du gerade etwas struggelst. Viele dieser Hochglanz-Accounts stammen nicht von echten Unternehmern, sondern von Leuten, deren eigentliches Geschäftsmodell es ist, dir mit tollen Bildern und schlauen Sprüchen irgendetwas zu verkaufen. Wer tatsächlich über Jahre hinweg ein Unternehmen geführt hat, weiß: Es gibt Höhen. Aber es gibt eben auch Tiefen – und die gehören dazu.

Resiliente Unternehmer:innen haben eines gemeinsam: Sie verwechseln ihr Unternehmen nicht mit sich selbst. Sie wissen, dass ein schlechtes Quartal nichts über ihren Wert als Mensch aussagt. Und dass es okay ist, nicht immer stark zu sein.

Du musst nicht immer der harte Hund sein, der alles im Griff hat. Es ist vollkommen okay, mal abzutauchen. Hauptsache, du tauchst auch wieder auf. Und das mit klarem Kopf und neuer Power.

Früher hieß es: Ein echter Unternehmer geht mit seinem Laden unter. Klingt ehrenhaft. Ist aber kompletter Unsinn. Denn was bringt dir das? Ein Trümmerhaufen – geschäftlich, gesundheitlich, privat?

Heute ticken die Uhren anders. Du bist nicht mehr gezwungen, dich komplett zu opfern. Und das ist keine Schwäche, das ist moderne Verantwortung – dir selbst gegenüber, deiner Familie, deinen Mitarbeitenden.

Du bist nicht dein Unternehmen. Du bist ein Mensch, der ein Unternehmen führt. Und wenn es wirtschaftlich eng wird, musst du nicht automatisch mit ins Verderben stürzen.

Zum Glück gibts heute juristische Möglichkeiten, die dich schützen können. Ob AG, GmbH, UG oder andere Konstrukte – sie existieren genau deshalb: Damit du im Fall der Fälle nicht persönlich alles verlierst. Und trotzdem handeln viele, als hinge ihr Leben wortwörtlich an der nächsten BWA. Dabei gibt es Wege, mit einer Schieflage professionell umzugehen. Sanierungsberatung, Schutzschirmverfahren, Eigenverwaltung – alles Begriffe, die nichts mit Aufgeben zu tun haben. Sondern mit klugem Handeln. Wer früh genug hinschaut, kann oft mehr retten, als man denkt.

Das Wichtigste dabei: Trenen klar zwischen deinem Business und deinem Leben. Dein Unternehmen darf nicht alles auffressen, was dich ausmacht. Nicht deine Gesundheit. Nicht deine Familie. Nicht deine Freude am Leben.

Also, was tun? Was hilft wirklich, um mental klar zu bleiben, auch wenn es wirtschaftlich wackelt?

  1. Red mit jemandem. Wirklich. Nicht in Form von Smalltalk auf dem nächsten Meetup, sondern ehrlich. Such dir jemanden, mit dem du offen über deine Lage sprechen kannst. Ein befreundeter Unternehmer, ein Coach, ein Therapeut. Du musst da nicht allein durch.
  2. Hol dir professionelle Hilfe, bevor es kracht. Sanierungsberatung, Schuldnerberatung – das sind keine Schimpfwörter. Das sind Tools. Und gute Leute in diesen Bereichen helfen dir nicht nur beim Rechnen, sondern auch beim Denken. Sie sehen oft Lösungen, die du im Tunnel gar nicht wahrnimmst.
  3. Bewegung. Ernährung. Schlaf. Klingt banal, ist aber Gold wert. Geh raus, geh laufen, geh spazieren – Hauptsache, du bewegst dich. Schmeiß den dritten Energy-Drink weg und iss mal wieder was Richtiges. Und ja: Wenn du nicht schlafen kannst, dann steh wenigstens auf und lies ein Buch statt doomzuscrollen.
  4. Trenn privat von geschäftlich – auch im Kopf. Klar, als Unternehmer ist das schwer. Aber du brauchst Grenzen. Rituale helfen: z.B. keine Mails mehr nach 20 Uhr. Oder feste Zeiten fürs Grübeln – kein Witz! Schreib dir deine Sorgen auf, aber nicht rund um die Uhr. Du darfst auch einfach mal Feierabend haben.
  5. Akzeptiere, dass nicht alles planbar ist. Es geht nicht darum, unverwundbar zu sein. Sondern flexibel. Wenn etwas nicht klappt, ist das kein Weltuntergang. Es ist eine Erfahrung. Ein Umweg. Manchmal sogar der Anfang von etwas Besserem.

Lass uns mal von jemandem erzählen, der es fast nicht mehr gepackt hätte:

Nennen wir ihn Christian. Christian hatte einen soliden Onlineshop, seit Jahren am Markt, spezialisiert auf Wohnaccessoires. Lief ordentlich – bis die Kosten aus dem Ruder liefen und die Kaufzurückhaltung voll bei ihm durchschlug. Werbung teuer, Retourenquote hoch, Kunden kauften weniger, die Gewinne schmolzen. Irgendwann war er nur noch damit beschäftigt, Feuer zu löschen und das Wasser dafür wurde immer weniger.

„Ich hab jeden Morgen gehofft, dass der Tag schnell rumgeht“, hat er später mal gesagt. Kein Antrieb mehr. Keine Ideen mehr. Nur noch Pflichten. Und irgendwann kam dieser eine Moment: Kontopfändung vom Finanzamt, ein geplatzter Großauftrag, der Firmenkundenbetreuer der Volksbank war auf der Rückrufliste – dann saß er da. Mit dem Laptop auf dem Schoß. Und Tränen in den Augen.

Aber er hat nicht aufgegeben. Er hat einen Sanierungsberater angerufen. Zum ersten Mal in seinem Unternehmerleben hat er laut und ehrlich gesagt: „Ich schaff das grad nicht alleine.“ Und das war der Wendepunkt.

Die nächsten Monate waren kein Spaziergang, aber er hat gelernt, loszulassen. Den Steuerberater gewechselt, einen erfahrenen eCommerce-Mentor ins Boot geholt, kaufstärkere Märkte erkundet, eine neue Marke aufgebaut, sein Unternehmen deutlich schlanker aufgestellt mit Produkten, die er wirklich mochte. Er hat sich rausgearbeitet aus der mentalen Abwärtsspirale, aus dem finanziellen und strategischen Chaos, aus dem Gefühl, versagt zu haben.

Heute? Läuft es auch in gesellschaftlich schwierigen Zeiten solide. Nicht spektakulär, aber stabil. Und das Wichtigste: Er schläft wieder. Er lacht wieder. Er hat seine Familie nicht zerstören lassen von dem Druck aus seiner Firma. Und er hat eine klare Grenze gezogen zwischen sich und seinem Business.

„Früher war ich mein Shop. Heute bin ich ein Mensch mit einem Shop.“

Diese Geschichte ist kein Märchen. Sie passiert so oft – meist im Stillen, ohne Applaus -, aber mit echter Veränderung. Und sie zeigt: Du bist nicht allein.

Der eCommerce-Mentor Andreas Frank sagt dazu: „Ich bin in Unternehmerfamilien aufgewachsen, Firmen in mehreren europäischen Ländern, fast alle in der Verwandtschaft haben mittelständische Betriebe. Familienfeiern waren Unternehmerstammtische mit der Verantwortung für tausende Menschen. Und als Marketingberater habe ich seit 30 Jahren engen Zugang zu hunderten Unternehmerinnen und Unternehmern: Kein einziger in diesem großen Pool der erfolgreichsten Unternehmer hatte nicht auch mal Existenzängste und war nicht davon bedroht oder betroffen.“

Vielleicht ist deine Geschichte gerade an einem ähnlichen Punkt. Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, an dem du entscheidest: Ich will nicht untergehen. Ich will wieder klar denken. Wieder atmen.

Es gibt diesen Moment, da sitzt du da und fragst dich: Wofür mach ich das eigentlich alles noch? Wenn du so weit bist, dann ist das kein Zeichen von Schwäche – sondern von Klarheit. Weil du endlich die richtige Frage stellst.

Du bist nicht dein Umsatz. Nicht deine Bilanz. Nicht dein letzter Launch. Du bist ein Mensch, mit Freunden, Familie, Stärken, Zweifeln, Ecken und Kanten. Und all das zählt. Mehr als dein Shop. Viel mehr.

Es ist keine Schande, wenn es mal nicht läuft. Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen. Es ist keine Schande, loszulassen. Die einzige Schande wäre, dich selbst aufzugeben – für ein Projekt, das dich eigentlich nie auffressen sollte.

Also: Denk dran, du bist nicht allein auf diesem wilden Ritt. Hol dir Support, sprich aus, was dich fertig macht, und vor allem: Nimm dich selbst wieder ernst. Denn ja, du bist mehr als dein Shop. Du bist das eigentliche Kapital. Und wenn du das verstehst, wirst du nicht unbesiegbar – aber richtig stark. Stark genug für alles, was kommt.

Denke immer daran: kein Unternehmen dieser Welt – wirklich keins – ist es wert, dass du persönlich daran zerbrichst.


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Über die Autor*innen

Andreas Frank

Andreas Frank ist ein Pionier der deutschen Digitalwirtschaft, hat seit 1992 mehrere Internetfirmen mit Erfolg gegründet und ist an acht Exits beteiligt. Er wohnt in Palma de Mallorca und führt seine auf digitale Geschäftsmodelle spezialisierte FrankVestor GmbH in Hamburg. Frank ist ausgebildeter Werbekaufmann und hat Marketing, Kommunikation und Wirtschaftsrecht studiert. Er ist als Berater, Investor und Redner tätig und engagiert sich seit vielen Jahren im Expertenrat des Händlerbundes.